Mitten an der Costa Blanca, und unweit der Balearischen Inseln, liegt die spanische Schönheit Alicante. Die knapp 340.000 Einwohner zählende Hafenstadt ist nach dem 170 Kilometer entfernten Valencia, das in nördlicher Richtung liegt, die zweitgrößte Stadt der Region. In der Umgebung werden Wein und Olivenöl produziert, und auch der reiche Obst- und Gemüseanbau um die Stadt herum, sorgt, neben dem Fischfang, für eine Menge Gaumenfreuden. Das Klima ist mild, das vor der Haustür liegende Mittelmeer lädt nahezu ganzjährig zum Baden ein. Und auch kulturell ist Alicante ein richtiges Highlight. Die Architektur des Stadtbildes ist von maurischen und christlichen Einflüssen geprägt. Hauptsprache der Menschen hier ist übrigens nicht Spanisch, sondern das Katalanische. Oftmals wird ein Unterdialekt, Valencianisch gesprochen, weshalb sich das Gefühl festsetzt, hier ein wenig zwischen den Welten zu wandeln. Das sind nun wirklich genügend Gründe, um in die Welt Alicantes einzutauchen, und die Eleganz und das Charisma der Stadt, und ihrer Umgebung, zu erkunden. Schöne Ferien und einen entspannten Städtetrip in Alicante.
Geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten der Stadt
Beginnt eure Entdeckung von Alicante am besten auf der Explanada de España. So nennen Einheimische die beliebteste Flaniermeile der Stadt. Natürlich geht es hier nicht nur darum einen Blick auf das Meer zu erhaschen, oder in einem der vielen Restaurants und Cafés einen Kaffee zu trinken, sondern auch um Sehen und gesehen werden. Atmet das unvergleichliche Flair der Stadt, während ihr über 6,5 Millionen blaue, weiße und rote Mosaiksteinchen hinauf zur Burg spaziert. Das Castillo de Santa Bárbara befindet sich in 166 Metern Höhe, auf dem Berg Benacantil. In der Mittagshitze kommt ihr beim Aufstieg, der über Treppenstufen führt, ins Schwitzen. Das Castillo de Santa Bárbara wurde von seinen Erbauern strategisch gut positioniert: mit weitem Blick hinein in die Bucht von Alicante konnten früher von hier aus Angreifer bestens ausgemacht werden. Die Burganlage ist eine der größten in ganz Europa. Ihre Baugeschichte reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Der älteste Teil der Burg wurde ab dem neunten Jahrhundert durch die Mauren errichtet. Zwei weitere Abschnitte, die auf jeweils unterschiedlichen Ebenen liegen, wurden um das elfte und um das 16. Jahrhundert herum erbaut. Hier erlebt ihr Geschichte unter dem Brennglas. Der Weg zurück in die Stadt führt euch vorbei am Ayuntamiento Casa Consistorial: so nennt man das Rathaus von Alicante. Unzweifelhaft handelt es sich bei diesem Gebäude um das architektonische Highlight der Stadt. Die Fassade ist mit Stuckelementen verziert. Türme und mehrere Balkone prägen das Gebäude. Das Rathaus, das 1698 erbaut wurde, kann besichtigt werden. Prunkvoll ausgestattete Räume mit reich verzierten Möbeln aus dem 18. Jahrhundert, Porzellan, Keramik und Kunstgegenstände, verdeutlichen euch wie reich die Stadt einstmals gewesen sein muss.

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Erkundet die ungeheure Vielfalt an Museen
Wenn ihr Museen mögt, dann seid ihr in Alicante absolut richtig. Kaum eine spanische Stadt sonst verfügt über eine solche Vielfalt an Museen und Kulturzentren. Im ehemaligen Provinzkrankenhaus, dessen Architektur alleine schon einen Besuch wert ist, findet ihr das Archäologische Museum der Provinz Alicante MARQ. Die Ausstellung beginnt mit dem Paläolithikum, und reicht bis in unsere Zeit. In einem barocken Bürgerhaus aus dem Jahre 1685 findet ihr das Museum für zeitgenössische Kunst mit Werken großer spanischer Maler: Pablo Picasso, Joan Miro und Salavador Dali. Wenn ihr schon da seid dürft ihr auf keinen Fall einen Blick in die angrenzende Santa-María–Basilika auslassen, denn dabei handelt es sich um die älteste Kirche der Stadt. Im 14. Jahrhundert wurde die einschiffige Kirche auf den Resten einer Moschee erbaut. Zwei asymmetrische Türme säumen die barocke Kirchenfassade. Einer stammt aus dem 14., der andere aus dem 18. Jahrhundert. Danach geht es weiter in den Gravinapalast, der aus dem 18. Jahrhundert stammt, in das Museo de Bellas Artes Gravina. Man huldigt hier ausschließlich lokalen Künstlern, beginnend mit dem Mittelalter, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.
Geschichte darf nicht fehlen - Begebt euch auf die Spuren der Vergangenheit
Zuerst besiedelt wurde die Region um Alicante von den Phöniziern. Später herrschten hier die Römer, danach die Mauren. Die offizielle Gründung der Stadt wird im fünften Jahrhundert vor Christus den Römern zugeschrieben. Natürlich hat sich bis heute viel verändert, die Stadt musste sich ihren Herrschern immer wieder anpassen, was besonders in der Architektur und bei sakralen Bauten offensichtlich wird. Wenn ihr diese wechselvolle Historie der Stadt im Hinterkopf habt, betrachtet ihr die Stadt sicher aus einer ganz anderen Perspektive. Was nicht fehlen darf ist das Wahrzeichen von Alicante, die Burg Santa Barbara. Ich empfehle euch auch unbedingt einen Besuch der La Ciudad Descubierta. Hier entdeckt ihr Reste der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert und die erste moderne Straße der Stadt, die im 16. Jahrhundert gebaut wurde. Das Convento de las Monjas de la Sangre, ein Kloster des weiblichen Augustiner-Ordens, stammt aus dem Barock: mit entsprechender Architektur. Streift dann durch die Calle Labradores. Die Gebäude dieses Straßenzuges geben euch einen Eindruck davon wie die Stadt zwischen 1690 und 1800 angelegt war.


Macht euch auf ins Piratenversteck und ins Kloster Santa Faz
Elf Seemeilen, das sind rund 22 Kilometer, trennen euch von der Isla de Tabarca. Die Insel ist sagenumwoben und wurde früher als Piratenversteck genutzt. Setzt mit dem Schiff über, das im Sommer mehrmals täglich hier anlandet. Und lasst euch von der wuchernden Flora und der fremden Fauna der Insel in Bann ziehen. Über das kristallklare Wasser hinweg wirkt schon die Überfahrt absolut erholend. Esst außerdem unbedingt eine Portion der Inselspezialität Caldero Tabarquino. Das ist ein Eintopf aus Fisch, Huhn und Reis, wie er nur hier serviert wird. Besucht die San-Pedro-Kirche und das Insel-Museum, das euch mehr über die Geschichte des Piraten-Domizils erzählen kann. Wie wäre es zum Abschluss mit einem Spaziergang durch die engen Gässchen des 1.800 Meter langen und 400 Meter breiten Archipels? Die Stadtbefestigung ist noch weitgehend erhalten und ist ebenso einen Blick wert wie die Wehrkirche Iglesia de San Pedro y San Pablo und das Haus des Gouverneurs.
Einen weiteren kleinen Ausflug solltet ihr ins Kloster Santa Faz machen. Es liegt fünf Kilometer von der Stadt entfernt und kann zu Fuß, mit dem Taxi oder mit dem Bus erreicht werden. Ganz traditionell begebt ihr euch zu Fuß hierhin, denn eines der größten städtischen Spektakel ist die, jeweils am Ostersonntag stattfindende, Wallfahrt La Peregrina von Santa Faz. Dann begeben sich die Pilger Alicantes zu Fuß auf dem Kreuzweg nach Santa Faz, was eher einem Volksfest als einem christlichen Pilgern entspricht. An diesem Tag ist der kleine Ort voller Leben, es gibt einen Kunsthandwerkermarkt, Speis und Trank. Natürlich müsst ihr auch das Kloster selbst besichtigen. Bekannt ist es für eine im 15. Jahrhundert hierher verbrachte Reliquie, die aus dem Vatikan stammt. Es soll das Tuch sein mit dem Jesus auf seinem Kreuzweg sein blutiges Gesicht abgewischt wurde.
Was will man mehr - Badeferien an der Costa Blanca
Natürlich hat eine Hafenstadt auch eine ganze Reihe an Stränden. La Playa de San Juan ist einer der bekanntesten unter ihnen. Im Strandtrubel mischen sich Touristen unter Einheimische. Der Sand ist weiß und feinkörnig, das Wasser warm und kristallklar. Hier könnt ihr entspannen und an einer der Strand-Bars Cocktails genießen. Falls euch nach Sport ist, kein Problem: leiht euch ein Surfbrett aus oder fragt eine Gruppe der einheimischen Beach-Volleyball-Spieler, ob noch ein Sport-As gebraucht wird. Daneben gibt es weitere Strände, die sich in der Größe unterscheiden, aber nicht in der immer guten Infrastruktur. Duschen und Bars, oder zumindest ein Kiosk, sind obligatorisch. Warum probiert ihr nicht einfach mehrere Strände, und sucht euren persönlichen Lieblingsstrand? Die Buchten von Cabo de la Huerta und die Strände La Almadraba, El Postiguet oder La Albufereta laden euch zu entpannten Strandferien ein.


Noch mehr Highlights in Alicante
Spanische Städte haben oftmals eine Stierkampf-Arena, die es sich immer zu besuchen lohnt: egal, wie man dieser blutigen Tradition gegenüber steht. Die Plaza de Toros wurde 1847 erbaut und wirkt riesig. 15.000 Zuschauer haben hier Platz. Das angeschlossene Museo Taurino beschäftigt sich mit Leben und Wirken der einheimischen Toreros. Besonders sehenswert ist die Architektur des Baudenkmals. In der Zentralmarkthalle, die aus dem Jahr 1911 stammt, könnt ihr euch an Jugendstil-Architektur erfreuen. Das Gebäude steht mitten auf der ehemaligen Stadtmauer und wirkt eher wie eine Kathedrale, als wie ein Handelsplatz. Taucht ein in das Alltagsleben der Bewohner, lasst euch von den Düften mediterraner Spezialitäten verzaubern, die hier angeboten werden, und probiert die sonnengereiften Früchte der Händler.

Parks, Parks, und nochmals Parks - Das grüne Alicante
Doch damit nicht genug, die wunderbare Stadt an der Costa Blanca hat immer noch mehr zu bieten. Für alle Palmenliebhaber empfehlen wir den Park El Palmeral, denn hier ist Name Programm. 7.000 Palmen säumen die ausladenden Spazierwege. Idyllisch wirken die liebevoll gestalteten Holzbrücken und künstlich angelegten Teiche und Flüsse. Am Ausgang des Parks befindet ihr euch am Portal de Elche, wo früher, bis ins Jahr 1810, die schweren Jungs der Stadt öffentlich hingerichtet wurden. Heute geht es hier weit weniger grausam zu: denn nun sind die uralten Gummibäume die Attraktion. Wenn ihr noch mehr Grün erleben, oder im Schatten der Bäume ein wenig verschnaufen wollt, dann besucht unbedingt auch den Parque Canalejas in Meernähe und den Parque La Ereta während eurer Ferien in Alicante.
Das Umland von Alicante - Natur wie im Paradies
Natürlich gibt es in der Nähe der Stadt auch noch weitere Sehenswürdigkeiten. Ich würde euch vor allem einen Ausflug in die Natur empfehlen, denn die ist hier wirklich paradiesisch. Mein persönliches Highlight sind die Fuentes del Algar. Übersetzt bedeutet das Quellen von Algar. Die Fahrtzeit von der Stadt aus beträgt eine knappe Stunde. Das letzte Stück müsst ihr zu Fuß gehen, und alleine der Spaziergang zu den Wasserfällen lohnt sich. Der Weg führt euch durch Orangenhaine. Die Wasserfälle selbst befinden sich nahe dem Dörfchen Callosa d’en Sarria und sind umgeben von einer atemberaubenden Fels- und Berglandschaft. Am Felsen rauscht das kalte und klare Wasser der Cascada Principal hinab und sammelt sich dann in einem grün schimmernden Becken. Nehmt unbedingt Badekleidung mit, Schwimmen ist unterhalb der Wasserfälle erlaubt. Nachdem ihr den Hauptwasserfall hinter euch gelassen habt, bewandert ihr auf einem Rundweg das idyllisch gelegene Areal und trefft auf das Naturbadebecken Toll de la Figuera. Hier ist das Wasser ein wenig wärmer und tief blau. Der komplette Rundweg ist liebevoll gestaltet. Ihr spaziert über Holztreppen und kleine Brücken. Nach dem Badeabenteuer solltet ihr noch auf den Wanderweg Festung von Bernia einbiegen. Der ausgeschilderte Weg führt euch nach knapp sechs Kilometern zur Festung aus dem 16. Jahrhundert. Wenn ihr es ganz sportlich mögt geht es noch weiter hinauf. Die Sierra de Bernia ist eine elf Kilometer lange Gebirgskette und unvergleichliche Naturlandschaft. Hier könnt ihr auch mehrere Tage nach Herzenslust wandern: mit Blick hinab auf die Küste.
